Welche Folgen können Falschinformationen haben?

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Das Netz ist voll von zweifelhaften Angeboten. Sie kosten nicht nur nur Geld, sondern können auch gesundheitlich schaden. Im schlimmsten Fall verzögern oder verhindern sie bei bestehender Erkrankung eine wirksame Behandlung. In der Corona-Krise  starben Anfang 2020 weltweit hunderte Menschen, weil sie hochkonzentrierten Alkohol tranken, um sich von innen zu desinfizieren.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gerüchte und Falschinformationen können nicht nur finanziellen Schaden anrichten. Sie können auch tödlich sein.
  • Ein falsches Heilungsversprechen kann dazu führen, dass Betroffene wichtige Maßnahmen unterlassen.
  • Widersprüchliche Aussagen aus der Ärzteschaft können ganz besonders zur Verunsicherung beitragen.
Fake News
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Unseriöse, falsche oder irreführende Gesundheitsinformationen können aus ganz unterschiedlichen Beweggründen veröffentlicht werden. Manche Anbieter sind durchaus überzeugt von der wohltuenden Wirkung ihres Produkts. Andere verkaufen Wertloses oder Zweifelhaftes aus reinem Profitstreben. Wieder andere wollen aus ideologischen Gründen Informationen verbreiten, etwa über angeblich gesundheitsgefährdende Masken oder Impfungen.

Gesundheitliche Folgen von falschen Informationen

Manche der zweifelhaften Angebote im Internet richten keine direkten Schaden an, weil sie nämlich wirkungslos sind. Manche Mittel, die als besonders „natürlich“, „sanft“ oder „traditionell“ angepriesen werden, haben keine pharmakologische Wirkung. Aber Vorsicht: Auch „rein“ pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel können je nach Substanz, Menge und Inhalt zu Überdosierungen führen.

Vor allem aber können auch pharmakologisch unwirksame Mittel Schäden anrichten, wenn sie nämlich bei einer bestehenden Erkrankung eigenmächtig als Alternative zu verordneten Arzneimitteln oder Therapien eingenommen oder angewendet werden. Ein falsches Heilungsversprechen kann hier im schlimmsten Fall dazu führen, dass Betroffene wichtige Maßnahmen wie etwa eine Chemotherapie unterlassen oder ablehnen.

Welche Folgen Corona-Gerüchte im Netz haben können, hat Mitte 2020 eine internationale Studie untersucht. Die Autoren sammelten zwischen Dezember 2019 und April 2020 Gerüchte, Stigmatisierungen und Verschwörungstheorien rund um Covid-19 auf Onlineplattformen wie Facebook und Twitter sowie auf Online-Seiten von Zeitungen. Sie konnten hunderte Todesfälle und tausende Krankenhausbehandlungen dokumentieren. Weltweit starben schätzungsweise 800 Menschen, weil sie hochkonzentrierten Alkohol tranken, um sich von innen zu desinfizieren. Mehr als 5.800 Menschen kamen ins Krankenhaus, 60 erblindeten, weil sie Methanol als Heilmittel einnahmen. In Indien wurden zahlreiche Menschen krank, weil sie einen Drink aus giftigen Stechäpfeln zu sich nahmen, weil sie glaubten, die Pflanzen machten immun gegen Sars-CoV-2.

Finanzielle Folgen von falschen Informationen

Wucherpreise für Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel machten im Frühjahr 2020 in Deutschland Schlagzeilen. Der Rekord lag im März 2020 bei 999,90 Euro für zehn FFP2-Masken und 199 Euro für einen halben Liter Handdesinfektionsmittel.

Viele der Angebote, die das Projekt „Faktencheck Gesundheitswerbung“ unter die Lupe nimmt, sind aber auch allgemeine medizinische Selbstzahlerleistungen. Falsche Gesundheitsversprechen im Netz, in der Drogerie, in der Apotheke, die nicht über die Krankenkassen abgerechnet werden. Das kann ein frei verfügbares Erkältungsmedikament sein, ein Nahrungsergänzungsmittel gegen angeblichen Vitamin-D-Mangel, eine sanfte Methode beim Heilpraktiker oder ein zweifelhafter Zellschutz-Chip. Die Kosten können bei 5 Euro liegen aber auch bei mehreren hundert oder tausend Euro.

Emotionale Folgen von falschen Informationen

Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Anti-Corona-Maßnahmen, die aufgeheizte Debatte über wissenschaftliche Fakten und Verschwörungen führen bei vielen Menschen zu Konflikten in der Familie oder mit Freunden. Corona wirkt teilweise wie Gift für das soziale Miteinander. Man kann sich zwar konstruktiv darüber streiten, ob man bei Grün und nicht bei Rot über die Ampel gehen sollte, aber man nicht mehr gut diskutieren, wenn jemand die Existenz von Ampeln an sich in Frage stellt. Und wenn es um Gesundheit geht, steht immer das Risiko für mögliche Schäden im Raum. Wer versucht, den Familien- oder Freundeskreis vor falschen Gesundheitsinformationen zu schützen, braucht gute Nerven und Argumente.

Ärzte und falsche Informationen in der Pandemie

Auch Ärzte stehen im Fokus der Corona-Debatte, und zwar nicht nur als Behandler. Denn einige Mediziner kritisieren öffentlich die Schutzmaßnahmen oder zweifeln an der Existenz oder an der Gefährlichkeit des Virus. Manche streiten die Wirksamkeit von Atemschutz-Masken ab oder halten sie gar für lebensgefährlich.

Für Verbraucher ist das ein Problem. Denn Ärzte genießen in der Gesellschaft ein besonderes Ansehen. Ihr Wort hat in gesundheitlichen Fragen Gewicht. Somit können widersprüchliche Aussagen aus der Ärzteschaft in der Corona-Pandemie ganz besonders zur Verunsicherung beitragen. Wenn Menschen sich aufgrund solcher Aussagen nicht an die Hygieneregeln halten, fördert dies zusätzlich die Ausbreitung der Infektion.

Mehrere Ärztekammern haben fragwürdige oder falsche Behauptungen ihrer Mitglieder zum Thema Sars-CoV-2 kritisiert. Zwar gilt auch für Ärzte die Meinungsfreiheit, sie sind aber an medizinische und ethische Grundlagen ihres Berufs gebunden. Sie dürfen die Gesundheit ihrer Patienten nicht wissentlich gefährden und in ihren Praxisräumen auch keine politischen Botschaften aushängen. Zudem muss die persönliche Meinung „erkennbar“ von der Ausübung der ärztlichen Tätigkeit abgegrenzt sein.

Mehrere Fälle wurden bereits an Staatsanwaltschaften weitergeleitet. Im Herbst 2020 lagen etwa der Ärztekammer Berlin 130 Fälle von Fehlverhalten im Rahmen der Corona-Maßnahmen vor. Dazu zählen auch medizinisch unbegründete Gefälligkeitsatteste zur Befreiung vom Mund-Nasen-Schutz.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin rief im Dezember 2020 Ärzte und Wissenschaftler zur verantwortungsbewussten Kommunikation in der Corona-Pandemie auf.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV