Selbstzahler-Leistungen beim Arzt und Zahnarzt

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Wer beim Arzt oder Zahnarzt Untersuchungen oder Behandlungen selbst bezahlen soll, ist oft ratlos: Ist das nötig? Und wenn ja: Ist der Preis angemessen? Egal ob  Ozon-Eigenbluttherapie  oder Wurzelkanalbehandlung: Ärzte und Zahnärzte sind verpflichtet, über alle Risiken, Alternativen und Kosten aufzuklären. Das aber geschieht oft nicht so wie vorgeschrieben. Vor allem beim Zahnersatz gibt es günstige Lösungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Selbstzahlerleistungen, auch Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL genannt,  sind nicht gut untersucht.
  • Manche IGeL sind bei begründetem Krankheitsverdacht Kassenleistung.
  • Rund 50 Leistungen sind negativ bewertet – sie dürfen von gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Als IGeL sind sie jedoch erlaubt.
  • Beim Zahnarzt muss es nicht immer teuer sein: Es gibt eine Basislösung beim Zahnersatz und Hilfen für Geringverdiener.
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Vorsicht bei Selbstzahlerleistungen in der Medizin

Wer gesetzlich versichert ist, hat Anspruch auf medizinische Leistungen zur Verhütung, Früherkennung und zur Behandlung von Krankheiten. Doch die gesetzlichen Krankenkassen können aus wirtschaftlichen und aus wissenschaftlichen Gründen nicht alles bezahlen, was in der Medizin möglich ist. Deshalb gibt es Selbstzahlerleistungen, sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL).

Der größte Teil sind Früherkennungs- oder Vorsorgeuntersuchungen. Beispiele sind der Ultraschall der Brust, die Glaukom-Früherkennung (Grüner Star) oder der PSA-Test. Manche dieser Untersuchungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei begründetem Krankheitsverdacht oder in bestimmten Risikofällen (familiäre Vorbelastung). Viele der insgesamt mehrere hundert IGeL sind jedoch nicht gut untersucht. Sie können ohne Qualitätsprüfung angeboten werden.

Besonders viel selbst bezahlen müssen Verbraucherinnen und Verbraucher beim Zahnarzt. Beim Zahnersatz gibt es nur einen Festzuschuss, der bei teuren Versorgungen recht mickrig ausfällt. Gerade hier ist es für Verbraucher oft kaum zu durchschauen, was die richtige Versorgung ist und was sie kosten darf. Deshalb gibt es seit 2016 das Portal www.kostenfalle-zahn.de. Schon 2014 startete das Portal www.igel-aerger.de.

Welche Werbung ist für IGeL zulässig?

Der ärztliche Beruf ist laut Berufsordnung kein Gewerbe. Deshalb ist Ärztinnen und Ärzten eine Werbung für ihre Tätigkeit nur in engen Grenzen erlaubt. Gerade bei Leistungen, die Patientinnen und Patienten selbst bezahlen müssen, ist Werbung heikel, weil das Risiko einer Kommerzialisierung des Arztberufes besteht, der Profit also wichtiger ist als eine medizinisch notwendige Behandlung.

Werbung beim Arzt muss also sachlich sein. Eine marktschreierische und anpreisende Werbung ist unzulässig. Patienten dürfen nicht verängstigt, verunsichert oder zu einer IGeL gedrängt werden. Sie dürfen nicht zu unnötigen Eingriffen verleitet werden. Leistungen, deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist, sollten nicht als erfolgversprechend dargestellt werden. Außerdem darf eine Selbstzahlerleistung keine Voraussetzung für eine medizinisch notwendige Untersuchung oder Behandlung sein.

Kostenfallen beim Zahnarzt

Untersuchungen und Verbraucherbeschwerden zeigen seit Jahren: Bei vielen Zahnarztbehandlungen gibt es Defizite in der Patientenaufklärung. Die Zahnerhaltung führt teils immer noch ein Schattendasein, ebenso die Kassenleistung beim Zahnersatz. Die Kosten sind für viele Patienten nicht transparent. Auch die Risikoaufklärung bei teuren Versorgungen wie etwa mit Zahnimplantaten scheint nicht optimal zu sein. 2016 zeigte eine repräsentative Umfrage unseres Projekts, dass mehr als ein Viertel der 1.000 Befragten (26%) sich nicht über die jeweils mögliche Kassenleistung informiert sah. Fast ein Drittel (32%) sah sich nicht über mögliche Risiken einer Zusatzleistung informiert.

Wichtig: Die Kassenleistung beim Zahnersatz ist eine gute Versorgung. Sie wird Regelversorgung  genannt. Und für Menschen mit geringem Einkommen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen sie zu 100 Prozent. Diese sogenannte Härtefallregelung muss jedoch extra beantragt werden.

Rote IGeL-Liste: Nicht als Kassenleistung erlaubt

Manche Selbstzahlerleistungen können sinnvoll sein. Es gibt aber auch IGeL, von denen abzuraten ist. Dazu gehören vor allem die Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die nach einer wissenschaftlichen Überprüfung bereits als negativ bewertet wurden. Deshalb dürfen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür nicht übernehmen. Als IGeL sind sie aber erlaubt.

Methoden wie die Ozontherapie, Bioresonanztherapie, Colon-Hydro-Therapie oder die Ultraviolettbestrahlung des Blutes haben laut wissenschaftlicher Analyse keinen Nutzen, sind medizinisch nicht notwendig oder nicht wirtschaftlich. Insgesamt umfasst diese Liste aktuell 49 Methoden, die nicht als vertragsärztliche Leistungen zu Lasten der Krankenkassen erbracht werden dürfen. Entschieden hat dies der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Beschlussgremium des Gesundheitswesens, in dem Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser vertreten sind (sog. gemeinsame Selbstverwaltung).

Auszug aus der Liste:

  • Elektro-Akupunktur nach Voll
  • „Heidelberger Kapsel“ (Säurewertmessung im Magen durch Anwendung der Endoradiosonde)
  • Oxyontherapie (Behandlung mit ionisiertem Sauerstoff-/Ozongemisch)
  • Behandlung mit niederenergetischem Laser
  • Immuno-augmentative Therapie
  • Haifa-Therapie
  • Hyperthermiebehandlung der Prostata
  • Colon-Hydro-Therapie (und ihre Modifikationen)
  • Hyperbare Sauerstofftherapie
  • Bioresonanzdiagnostik, Bioresonanztherapie, Mora-Therapie und vergleichbare Verfahren
  • Pulsierende Signaltherapie (PST)
  • Ultraviolettbestrahlung des Blutes (UVB)
  • Hämatogene Oxidationstherapie (HOT), Blutwäsche nach Wehrli
  • Oxyvenierungstherapie nach Regelsberger
  • Ozon-Therapie, Ozon-Eigenbluttherapie, Sauerstoff-Ozon-Eigenbluttherapie, Hyperbare Ozontherapie
  • CO2-Insufflationen (Quellgasbehandlung)
  • Behandlung mit ionisiertem Sauerstoff
  • Selektive UVA1-Bestrahlung
  • Atlastherapie nach Arlen
  • Systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie nach von Ardenne (sKMT)
  • Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach von Ardenne
  • Hyperthermie

 

Quelle: Richtlinie zu Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der vertragsärztlichen Versorgung, Anlage II. (Stand 2020)
 

Mehr als 50 Selbstzahlerleistungen hat der IGeL-Monitor der Krankenkassen wissenschaftlich bewertet. Keine Selbstzahlerleistung wurde in der Abwägung von Nutzen und Schaden mit positiv bewertet. Drei erhielten bisher ein „tendenziell positiv“, 20 ein „unklar“ und 25 ein „tendenziell negativ“. Vier Leistungen wurden als negativ bewertet. Mehr dazu hier: www.igel-monitor.de

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV