Wie wir arbeiten

Stand:

Um gegen irreführende oder falsche Gesundheitsinformationen vorzugehen, kombinieren die Verbraucherzentralen ihre rechtliche Kompetenz mit dem medizinischen Fachwissen verlässlicher Organisationen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gemeinsam mit Partnern sammeln wir Belege für falsche oder gefährliche Gesundheitsinformationen.
  • Wir geben Tipps, wie Sie gute Gesundheitsinformationen finden und wie Sie sich vor schlechten schützen.
  • Um Verbraucherschutz durchzusetzen, kann die Verbraucherzentrale Anbieter abmahnen, die gegen gesetzliche Regelungen im Bereich der Gesundheitswerbung verstoßen.
Geldschein mit Pillen und Tabletten
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So gehen wir rechtlich vor

Die Verbraucherzentralen verfügen über die sogenannte Verbandsklagebefugnis. Das bedeutet, sie dürfen Verstöße gegen Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) und gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) abmahnen und bei Bedarf vor Gericht bringen. Eine Abmahnung ist ein außergerichtliches Verfahren mit dem Mittel der Unterlassungserklärung. Verstößt ein Anbieter gegen Wettbewerbsrecht, wird er damit aufgefordert, diese Verstöße zu unterlassen. Tut er das nicht, muss er eine Vertragsstrafe zahlen. Es handelt sich um ein Instrument der Marktbereinigung. Dieses Vorgehen gegen unlautere Anbieter schützt Verbraucherinnen und Verbraucher. Es hilft aber auch verantwortungsvollen Anbietern, die sich durch unseriöse Mitbewerber bedroht oder geschädigt sehen.

Zudem haben die Verbraucherzentralen ein gesetzlich verankertes Recht zur außergerichtlichen Rechtsberatung. Damit unterstützen sie einzelne Verbraucherinnen und Verbraucher und helfen ihnen auch individuell zu ihrem Recht.

Medizinisches Wissen unserer Partner

Um falsche Gesundheitsinformationen oder irreführende und unzulässige Werbung zu identifizieren, ist eine medizinische Expertise notwendig. Deshalb stehen uns anerkannte Partner zur Seite, die Aussagen zu Nutzen und Schaden medizinisch-wissenschaftlich bewerten.

Hier finden Sie unsere Partner und deren Qualifikation:

Klartext Nahrungsergänzung

Die Verbraucherzentralen bieten mit der Webseite "Klartext Nahrungsergänzung" eine unabhängige, interaktive Informationsplattform zum Thema Nahrungsergänzungsmittel. Thematisiert werden Risiken, Warnungen, Inhaltsstoffe und Kennzeichnungspflichten. So schaffen wir mehr Transparenz für Verbraucher und Multiplikatoren und ein Risikobewusstsein für Nahrungsergänzungsmittel.

Gute Pillen - Schlechte Pillen

Die Verbraucherzeitschrift "Gute Pillen – Schlechte Pillen" (GPSP) bewertet werbefrei und pharma-unabhängig Nutzen, Risiken und Kosten von Arzneimitteln und Therapieverfahren. Gegründet wurde sie 2005 von drei unabhängigen deutschen Arzneimittelzeitschriften (arznei-telegramm®, Der Arzneimittelbrief und der Pharma-Brief). GPSP warnt vor Werbung, die als Information getarnt ist und führt eine Datenbank für gepanschte Produkte.

Medizin transparent

Experten von Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems überprüfen hier die wissenschaftlichen Belege für Gesundheitsbehauptungen. Das österreichische Projekt greift regelmäßig überregionale Themen auf, die auch in Deutschland eine Rolle spielen. Cochrane ist ein internationales Forschernetzwerk, das wissenschaftliche Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitswesen bereitstellt. Cochrane Deutschland ist seit 2017 eine unabhängige und gemeinnützige Stiftung.

IGeL-Monitor

Das Projekt IGeL-Monitor bewertet seit 2012 Selbstzahlerleistungen beim Arzt und prüft die wissenschaftlichen Belege für Nutzen und Schaden. Träger ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS), der wiederum finanziert wird vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen.

Informationsnetzwerk Homöopathie

Das Informationsnetzwerk Homöopathie thematisiert die mangelnden wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise der Homöopathie. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von gut 60 Experten unterschiedlicher Fachrichtungen, die sachlich und fundiert über Homöopathie aufklären wollen.

Natalie Grams

Die Ärztin und ehemalige Homöopathin Natalie Grams ist als Buchautorin und preisgekrönte Bloggerin gut vernetzt und ein bekanntes Gesicht für wissenschaftlich fundierte Medizin in den Medien. Sie engagiert sich u.a. für die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)". Bekannt wurde sie mit ihrem Buch "Homöopathie neu gedacht: Was Patienten wirklich hilft" (2015). Anfang 2020 erschien ihr zweites Buch "Was wirklich wirkt - Kompass durch die Welt der sanften Medizin".

Alexander Spassov

Der Fachzahnarzt für Kieferorthopädie war bis September 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universitätsmedizin Greifswald. 2015 gründete er eine eigene Praxis für Kieferorthopädie. Spassov setzt sich für evidenzbasierte Medizin ein und gegen kieferorthopädische Überversorgung. Er hat mehrere Studien zu kieferorthopädischen Behandlungen veröffentlicht.

Tipp: Ein Beispiel für solche Kooperationen ist nachzulesen in einem Bericht des Journalistenprojekts "MedWatch", das im April 2019 über fragwürdige Werbung von Versandapotheken für homöopathische Mittel berichtete, juristisch unterstützt durch den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): Wie Versandapotheken auf fragwürdige Weise für Homöopathie werben (29. April 2019).

OriGes

Um Verbraucher:innen in Gesundheitskompetenzen zu stärken, arbeiten wir auch mit dem Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) an der Universität zu Köln zusammen. Dort wurde in einem Projekt zur "Entwicklung einer Orientierungshilfe zur Stärkung der Verbraucherkompetenz beim Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationsangeboten" (OriGes) ein Wegweiser für die Online-Suche nach Gesundheitsinformationen entwickelt.

Info:
Faktencheck Gesundheitswerbung ist Unterstützer der "Guten Praxis Gesundheitsinformation" (GPGI) des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM).

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV