Gesundheitsinformationen im Netz: Vor- und Nachteile

Stand:
70 Prozent der 16- bis 74-Jährigen informieren sich laut dem Online-Portal Statista im Internet über Gesundheit und Krankheit. Aber Vorsicht: Die Suche im Netz ist nicht nur vorteilhaft, sondern birgt auch Risiken.
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70 Prozent der 16- bis 74-Jährigen informieren sich laut dem Online-Portal Statista im Internet über Gesundheit und Krankheit. Aber Vorsicht: Die Suche im Netz ist nicht nur vorteilhaft, sondern birgt auch Risiken.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Digitale Gesundheitsinformationen sind jederzeit und zu allen Themenbereichen verfügbar.
  • Die Informationsmenge ist riesig und die Qualität sehr unterschiedlich. Sie finden gut Geprüftes genauso wie Irreführendes oder Falsches.
  • Zuverlässige Gesundheitsinformationen können helfen, mit Ärzten oder anderen Anbietern auf Augenhöhe zu sprechen.
  • Bei Webseiten, die persönliche Daten abfragen, ist Zurückhaltung geboten.
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Gesundheit im Netz

Gesundheitsinformationen betreffen Gesundheit, Krankheit und Pflege. Sie reichen also von Vorsorgeuntersuchungen oder Diagnoseverfahren bis zur Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen. Verschiedenste Quellen sind dazu im Internet zu finden – von wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Ärzteverbänden oder Krankenkassen über unabhängige Institutionen bis hin zu sozialen Medien oder Foren.

Und so ist die Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet auch sehr unterschiedlich. Es gibt nicht nur "gute" Gesundheitsinformationen, die verlässlich sind, also den aktuellen Stand des medizinischen Wissens wiedergeben, neutral formuliert und frei von (versteckter) Beeinflussung sind. Es gibt auch sehr viele schlechte Gesundheitsinformationen im Netz, die eher werbende Inhalte verbreiten, wichtige Informationen verschweigen, unberechtigte Hoffnungen wecken oder angstschürende Inhalte vermitteln.

Einen Wegweiser für die Online-Suche nach Gesundheitsinformationen bietet die Internetseite https://www.gesund-im-netz.net/ (für Jugendliche: https://www.klick2health.net/), entstanden aus einem Projekt zur "Entwicklung einer Orientierungshilfe zur Stärkung der Verbraucherkompetenz beim Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationsangeboten" (OriGes) des Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) an der Universität zu Köln.
Hinweis: Digitale Gesundheitsinformationen, egal woher, ersetzen nicht den persönlichen Kontakt mit Ärzt:innen oder anderen medizinischen und gesundheitlichen Fachleuten.

 

Vor- und Nachteile

Etwa 13,5 Millionen deutschsprachige Websites von öffentlichen Institutionen wie dem Robert Koch-Institut (RKI), dem Bundesgesundheitsministerium oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, aber auch Medien wie das Deutsche Ärzteblatt oder die Apotheken-Umschau beschäftigen sich mit Gesundheit und Krankheit. Das hat 2020 eine Analyse der Hochschule Heilbronn ergeben, in der Verlinkungen zwischen gesundheitsrelevanten Internetseiten untersucht wurden. Doch für viele Menschen ist es nicht einfach, aus der Fülle der Informationen die richtigen Quellen herauszupicken. Aber es gibt Kriterien, um gute Gesundheitsinformationen von schlechten zu unterscheiden.

Vorteile

  • Jederzeit verfügbar und kostengünstig
    Digitale Gesundheitsinformationen stehen immer zur Verfügung, unabhängig von Zeit und Ort. Und zwar für alle erdenklichen Themen - von Abnehmtipps über Nahrungsmittelunverträglichkeit bis hin zum Zahnersatz. Manches war früher ohne Internet nur schwer und umständlich zu beschaffen. Die Suche nach Informationen funktioniert ohne Fahrtkosten oder Wartezeiten, hat keine Ländergrenzen und ermöglicht es auch, sich ohne direkten Kontakt über unangenehme oder tabuisierte Themen zu informieren.
     
  • Kommunikation und Vernetzung
    Sich digital auszutauschen, ist über verschiedene soziale Plattformen leicht möglich. Besonders Menschen, die an einer chronischen, seltenen oder unheilbaren Erkrankung leiden, profitieren davon. Es finden sich so leichter Gleichgesinnte, mit denen sie über Erfahrungen sprechen können.
     
  • Arzt-Patienten-Kommunikation auf Augenhöhe
    Sich mit einem Thema zu beschäftigen und nach Informationen zu suchen, gibt Sicherheit und vermittelt Kompetenzen. Diese Kompetenzen können Sie in einem Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin nutzen. Das stärkt die Arzt-Patienten-Beziehung und befähigt dazu, gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Besonders wenn Ärzt:innen Sie nicht umfänglich oder verständlich aufklären, können externe Informationen hilfreich sein.
     

Nachteile

  • Vorsicht bei der Reihenfolge der Treffer
    Viele Menschen nutzen einschlägige Suchmaschinen oder bekannte Internetseiten. Google hat dabei mit einem Anteil von mehr als 90 Prozent eine erdrückende Marktmacht. Und fast 60 Prozent aller Internetnutzer klicken laut einer IT-Analyse von 2015 nur den ersten Treffer bzw. Link der Trefferliste an, ohne andere Links zu prüfen. 

    Die Trefferlisten der Suchmaschinen orientieren sich aber nicht oder nicht nur an medizinischer und wissenschaftlicher Qualität. Je nach Algorithmus des Anbieters können Informationen eines großen wissenschaftlichen Institutes entweder vor oder auch hinter einer zweifelhaften Information stehen.

    Eine aktuelle Studie von 2021 verdeutlicht dies ebenso. Forscher:innen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Uralischen Föderalen Universität in Russland untersuchten, wie zuverlässig gesundheitsbezogene Suchergebnisse sind. Dazu analysierten sie Treffer in den Suchmaschinen Yandex und Google. Insgesamt wurden in etwa 1,5 Milliarden Suchanfragen ausgewertet und die 30 häufigsten Anfragen auf Richtigkeit bzw. Wahrheitsgehalt überprüft. 

    Die Ergebnisse zeigen, dass 44 % der ersten 10 Yandex-Treffer und 32 % der ersten 10 Google-Treffer irreführend sind. Denn sie geben an, dass ein Mittel gegen eine bestimmte Krankheit wirkt, obwohl dies wissenschaftlich nicht begründet ist. Außerdem zeigt sich bei den Yandex-Treffern, dass nur 13 % Warnungen vor Gesundheitsrisiken enthalten. Die Forscher:innen fassen zusammen, dass sich Verbraucher:innen aufgrund der nicht wissenschaftlich belegten Aussagen in ihren falschen Annahmen bestätigt fühlen und somit fälschlicherweise an die Wirkung eines Mittels glauben. Dadurch können sie sich im schlimmsten Fall selbst schaden.
  • Richtig verstanden?
    Gute und verlässliche Gesundheitsinformationen von falschen und gefährlichen Gesundheitsinformationen zu unterscheiden, ist nicht einfach. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung (58,8 Prozent) verfügt über eine geringe Gesundheitskompetenz, so das Ergebnis einer großen Studie der Universität Bielefeld von 2019/2020. Eine große Gruppe hat also Schwierigkeiten, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, richtig einzuordnen bzw. sie zu beurteilen und anzuwenden. Falsche Gesundheitsinformationen oder auch falsch bewertete Informationen können zu Gesundheitsschäden führen. Ein aktuelles Beispiel sind Verschwörungsmythen während der Corona-Pandemie.
     
  • Vorsicht bei Werbung
    Gesundheitsinformationen enthalten häufig auch werbende Inhalte. Gerade wer krank oder sogar unheilbar krank ist, vertraut vielleicht eher Informationen, die schnelle Genesung versprechen, als der Aussage, dass die Medizin in manchem Fall nur wenig Möglichkeiten bereithält. Immer wieder finden sich im Netz Informationen, die nicht wissenschaftlich belegt sind und Heilung oder Besserung versprechen. In sozialen Medien werden solche Informationen oft schnell und unkontrolliert verbreitet.

Gesundheit und Datenschutz

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nutzten 3,4 Millionen Menschen in Deutschland im ersten Quartal 2020 smarte, also internetfähige Gesundheitsgeräte, um beispielsweise den Blutdruck, den Blutzucker oder das Körpergewicht zu überwachen. Deutlich häufiger hingegen werden Fitnessarmbänder oder Smart Watches etc. genutzt. Anfang 2020 waren es 15,5 Millionen Menschen.  

Wer das Internet nutzt, kommt am Thema Datenschutz nicht vorbei. Passen Sie auf, welche und wie viele personenbezogenen Daten Sie im Internet über sich preisgeben. Vorsicht ist also geboten, wenn Sie aufgefordert werden, persönliche Daten anzugeben – ganz misstrauisch werden sollten Sie, wenn nicht ersichtlich wird, wie mit Ihren Daten umgegangen wird. Fitness-Apps beispielsweise nutzen Gesundheitsdaten oder Daten zu Ihrem Nutzungsverhalten und können diese an Drittanbieter weiterleiten. Dies zu kontrollieren, ist nur mit Zeitaufwand oder gar Expertenwissen möglich.

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