Gesundheitssaussagen: Was ist erlaubt?

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Weniger Gelenkschmerzen, mehr Muskeln, bessere Haut oder schlankere Figur: Die Versprechen im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel sind vielfältig. Doch was ist zulässig und was nicht? Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist dies oft kaum zu erkennen. Daher finden Sie hier die wichtigsten Fakten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, keine Arzneimittel. Entsprechend werden sie auch nur angemeldet, nicht vorab geprüft oder zugelassen.
  • Nahrungsergänzungsmittel dienen nur als mögliche Ergänzung der normalen Ernährung. Sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung sei sonst nicht möglich.
  • Bleiben Sie kritisch bei überzogenen und sehr positiven Werbeversprechen.
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Das ist erlaubt

Im Internet, im Einzelhandel, in Drogeriemärkten oder in Apotheken, überall finden Sie Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel, oft im gleichen Regal. Vielen fällt es deshalb schwer, die einzelnen Produkte voneinander abzugrenzen. Besonders, wenn sie in Tabletten oder Pulver vorliegen und sich ähneln. Doch es gibt Unterschiede, welche Aussagen zu welchen Produkten gemacht werden dürfen.

Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, die lediglich als mögliche Ergänzung zur Ernährung dienen. Sie sind für gesunde Personen gedacht. Sie unterliegen keiner Zulassungspflicht oder Prüfung, sondern werden dem Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nur gemeldet. Der Hersteller ist für die Sicherheit zuständig und muss lediglich über Risiken wie Allergene informieren, nicht aber über Gegenanzeigen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten. Es gibt keine Höchstmenge für Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe, nur Empfehlungen.

Weitergehende Regelungen für andere Stoffe, z.B. Pflanzenextrakte gibt es nicht. Gesundheitsbezogene Aussagen sind erlaubt. Sie dürfen sich aber nicht auf bestimmte Krankheiten beziehen, sondern nur auf normale Körperfunktionen. Welche gesundheits- und nährstoffbezogenen Angaben genau zulässig sind, ist in der Health-Claims-Verordnung der EU festgelegt. Alle zugelassenen Health Claims dürfen nur dann verwendet werden, wenn das Lebensmittel / Nahrungsergänzungsmittel die dafür notwendigen Inhaltsstoffe in der vorgeschriebenen Mindestmenge enthält.

Arzneimittel

Arzneimittel sollen Krankheiten heilen, lindern oder vorbeugen. Die Wirkung muss dabei durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen werden. Kontrolliert wird durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit einem Prüfverfahren. Mit welchen Mengen bestimmte Inhaltsstoffe enthalten sein dürfen, ist streng festgelegt. Beworben werden darf dabei nur das Anwendungsgebiet, für das das Arzneimittel zugelassen ist.

Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke

Diese sind für Menschen gedacht, die aufgrund einer Krankheit ihren Nährstoffbedarf nicht alleine mit normalen Lebensmitteln decken können, also zum Diätmanagement bei bestimmten Erkrankungen. Sie sind freiverkäuflich zu bekommen, verfügen aber über den Hinweis, dass sie unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden müssen. Es gibt keine Zulassung, der Hersteller muss aber auf Nachfrage durch die Lebensmittelüberwachungsbehörde eine wissenschaftliche Begründung für die spezielle Zusammensetzung vorlegen können.

Für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente gibt es festgelegte Höchstmengen. Werbung ist unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Der Krankheitsbezug ist ausschließlich durch die Zweckbestimmung mit dem vorgeschriebenen Wortlaut „zum Diätmanagement bei Krankheit xy“ gegeben, weitergehende gesundheitsbezogene Aussagen (Health Claims) sind für diese Produktgruppe verboten.

Das ist verboten

  • Verboten sind gesundheitsbezogenen Aussagen, die vermitteln, dass Nahrungsergänzungsmittel Krankheiten heilen oder Schmerzen lindern können.
  • Aussagen darüber, dass normale Lebensmittel für die Nährstoffversorgung nicht ausreichen, sind verboten.
  • Aussagen dürfen nicht mehrdeutig oder irreführend sein oder Ängste auslösen.
  • Gesundheitsbezogenen Angaben, welche sich auf das ganze Lebensmittel beziehen und nicht auf einzelne Inhaltsstoffe, sind ebenso unzulässig. Ausnahme: Wasser und Walnüsse.
  • Mit Wirkungen zu werben, die nicht wissenschaftlich bewiesen sind, ist ebenso nicht erlaubt. Wissenschaftliche Studien sollten sich auf das gesamte Produkt beziehen und nicht nur auf bestimmte Inhaltsstoffe, denn es könnte zu Wirkungsveränderungen durch andere Inhaltsstoffe kommen.
  • Bei überzogenen Versprechungen ist Vorsicht geboten. Beispiel Gewichtsabnahme: Werbung wie „Fünf Kilogramm weniger in zwei Wochen“ sollte Sie immer stutzig machen. Denn Angaben über Dauer und Ausmaß der Gewichtsabnahme sind laut Artikel 12 der europäischen Health-Claims-Verordnung verboten.
  • Auch Aussagen zur Wirksamkeit, die sich nur auf Einzelpersonen beziehen, sind nicht zulässig.

 

So unterscheiden Sie gesundheitsbezogene Angaben:


Nährwertbezogene Angaben (z. B. „zuckerfrei“)

  • Beziehen sich auf die Menge eines Nährstoffs, nicht auf die Wirkung
  • Nur zulässig, wenn sie die rechtlichen Anforderungen erfüllen und in bestimmten Mindestmengen vorhanden sind
     

Gesundheitsbezogene Angaben (z. B. „trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei“)

  • Zulässig, wenn sie in die Positivliste der Health-Claims-Verordnung aufgenommen (EU-Prüfverfahren) und damit für Lebensmittel zugelassen sind
  • Beziehen sich auf einzelne Vitamine, Mineralstoffe und Inhaltsstoffe, nicht aber auf das gesamte Lebensmittel
     

Krankheitsbezogene Angaben (z. B. „reduziertes Krankheitsrisiko)

  • Die Zielgruppen für diese Produkte müssen genau beschrieben sein (z.B. „Menschen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel“) Diese Lebensmittel sind nicht für jeden geeignet.
  • Einem bestimmten Stoff wird die Wirkung auf eine Krankheit zugeschrieben (z.B. „Phytosterine senken nachweislich den Cholesterinspiegel. Ein erhöhter Cholesterinwert gehört zu den Risikofaktoren der koronaren Herzerkrankungen“
  • Diese Angaben sind zulässig, allerdings nur nach Genehmigung und Durchlaufen eines Zulassungsverfahrens

Problemfall Nahrungsergänzungsmittel

Werbung für Mineralstoffe oder Vitamine sind zulässig. Deshalb können Hersteller ihren Produkten bestimmte Mengen an Inhaltsstoffen zusetzen. Dadurch ist es möglich, dass sie für ihre Produkte mit Aussagen werben, obwohl die eigentlichen Hauptinhaltsstoffe durch die Health-Claims-Verordnung abgelehnt wurden. Beispielsweise wird einem Gelenk-Produkt mit Glucosamin oder Chondroitin Calcium zugegeben und es kann mit „Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt“ beworben werden. Das klingt so, als werde die Wirkung durch die Inhaltsstoffe erreicht. Calcium ließe sich aber problemlos in ausreichender Menge über Lebensmittel aufnehmen. Für die zugesetzten Stoffe ist die Aussage sogar als wissenschaftlich nicht bewiesen abgelehnt.

Nimmt man Nährstoffe zusätzlich ein, mit denen man durch die tägliche Ernährung schon ausreichend versorgt ist, kann es unter Umständen zur Überversorgung bis hin zur Vergiftung (Hypervitaminose) kommen.

Text-Grafik zu Nahrungsergänzungsmitteln

Auf die Dosis kommt es an

Wenn Sie auf Nahrungsergänzungsmitteln Angaben zu Vitaminen oder Mineralstoffen finden und damit gesundheitsbezogene Aussagen gemacht werden, müssen diese in bestimmten Mindestmengen im Produkt vorkommen. Referenzmengen dienen dazu, Nahrungsergänzungsmittel besser miteinander vergleichen zu können. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Referenzmengen für Nahrungsergänzungsmittel nur für Erwachsene gelten und nichts mit den Nährstoffempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu tun haben. Die von der DGE empfohlenen Referenzwerte für die Nährstoffaufnahme können (und sollten nach Möglichkeit) mit normalen Lebensmitteln erreicht werden.

Tipp: Falls Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen sollten, achten Sie auf die Dosier-Empfehlungen. Diese sollten Sie keinesfalls überschreiten. Um die Nahrung bei Bedarf zu ergänzen, reicht es, wenn die Referenzmenge (=100 %) enthalten ist, es darf sogar etwas weniger sein. Jeder Hersteller ist verpflichtet, Dosier-Empfehlungen und die Nährwertangaben pro Tagesdosis anzugeben.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV