Wie Ärzte werben dürfen

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Ärzte dürfen werben, aber es sind nur sachliche, berufsbezogene Informationen erlaubt. Anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung ist verboten. Auch Lockangebote mit „Deals“ oder selbst kreierte Berufsbezeichnungen sind nicht zulässig. So soll eine Kommerzialisierung des Arztberufes und eine Patientenbeeinflussung vermieden werden. Werbung findet übrigens auch bei vielen Bewertungsportalen statt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ärztliche Werbung muss berufsbezogen, sachlich und angemessen sein.
  • Werbung darf das Vertrauen in Ärzte nicht gefährden.
  • Arztwerbung in Suchmaschinen und Bewertungsportalen ist umstritten.
  • Falls Sie nach passenden Ärzten suchen, greifen Sie dabei auf unabhängige und werbefreie Portale zurück.
Arzt mit fünf Bewertungssternen
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Sachlich, nicht reißerisch

Für Werbung und Information von Ärzten gelten seit 2002 in der Berufsordnung für Ärzte klare Regeln. Wie Ärzte für sich werben dürfen, ist in einer Vielzahl von Regelwerken, unter anderem den Berufsordnungen der Landesärztekammern, dem Heilmittelwerbegesetz (HWG) und dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), geregelt. Grundsätzlich gilt: Werbung ist nur dann zulässig, wenn sie die Integrität und das Vertrauen in den Arzt bzw. den Berufsstand der Ärzte nicht gefährdet. Ärztliche Werbung muss also berufsbezogen, sachlich und angemessen sein.

Verboten ist daher:

  • reißerische, nicht sachliche, informationsverfälschende Werbung,
  • versteckt beeinflussende Werbung,
  • die Darstellung des Preises als Hauptwahlkriterium wie „Deal“ oder „Countdown“,
  • irreführende Werbung, etwa durch selbst kreierte Berufsbezeichnungen wie „Männerarzt“,
  • Diskreditierung von anderen Ärzten und Heilberufen,
  • Dritte für sich werben zu lassen (Umgehungsverbot),
  • Werbung für Schönheitsoperationen mit Vorher-Nachher-Bildern,
  • kostenlose Beratung / Untersuchungsleistungen mit dem möglichen Ziel der Behandlung,
  • die Wirksamkeit einer Behandlung oder therapeutischen Maßnahme belegfrei zu behaupten,
  • den finanziellen Gewinn über das Wohl des Patienten zu stellen.
  • Für Ärzte können Verstöße zu eklatanten Geldbußen bis hin zum Verlust ihrer Zulassung führen. Nennen dürfen sie ihre angebotenen Leistungen, ihre Schwerpunkte und ihre Qualifikationen.

Praxisanzeigen und Bewertungsportale

Ärzte können nicht nur ihre Praxiswebseiten zur Selbstdarstellung nutzen, sondern auch Anzeigen schalten bei Suchmaschinen oder in Bewertungsportalen wie Jameda. Diese Werbung und die Bewertungen sind immer wieder umstritten und Anlässe für Rechtsstreitigkeiten. Denn es besteht ein Spannungsfeld zwischen der Werbung und dem Anspruch, Patienten neutral zu informieren. Zudem besteht ein Interessenkonflikt zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Arztes und der Meinungsfreiheit der Patienten, die Bewertungen verfassen. Unter die Meinungsfreiheit fallen jedoch nur Bewertungen in Form von subjektiven Meinungsäußerungen.

Ob solche Portale eine sinnvolle Orientierung für Patienten bieten können, hängt vor allem von der Transparenz der Darstellung ab. Kritisch zu sehen ist vor allem, wenn Bewertungsportale jene Ärzte ganz oben und teils ohne Konkurrenz positionieren, die für Anzeigen bezahlen. Erst im vergangenen Jahr wurde die Herangehensweise der Bewertungsplattform Jameda für unzulässig erklärt, zahlende Premiumkunden und nicht zahlende Basiskunden in der Darstellung auf ihrer Webseite unterschiedlich zu behandeln (OLG Köln, Urteil vom 14.11.2019 – Az. 15 U 126/19).

Eine vergleichende Werbung, die unmittelbar oder mittelbar einen Mitbewerber zu erkennen gibt, ist Ärzten auch nach den Berufsordnungen der Ärztekammern untersagt. Die vergleichende Gegenüberstellung von Ärztinnen und Ärzten ist neben der beschränkten Aussagekraft derartiger Bewertungen auch vor diesem Hintergrund kritisch zu sehen.

Eine werbefreie und unabhängige Orientierung bei der Suche nach dem passenden Arzt finden Sie etwa auf dem Online-Portal „Weisse Liste“.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV